Was ist Interim Management?


Was ist Interim Management?

Immer mehr Schweizer Unternehmen setzen auf Interim Manager. Mit ihrem Bekanntheitsgrad steigt auch die Nachfrage. Bei Interim Management handelt es sich eindeutig um einen Wachstumsmarkt. Doch was genau verbirgt sich hinter dem Begriff „Interim Management“? Wie arbeiten Interim Manager und welchen Nutzen bringen sie einem Unternehmen? Diese und noch mehr Fragen werden im Folgenden beantwortet.

„Interim“ kommt aus dem Lateinischen und heisst übersetzt „inzwischen“. In der Betriebswirtschaft wird deshalb unter dem Begriff „Interim Management“ eine Management-Tätigkeit für einen zeitlich befristeten Zeitraum verstanden. Demnach übernimmt eine Führungskraft auf Zeit ihre Tätigkeit in einem Unternehmen, erfüllt diese in der dafür vorgesehenen Zeit und verlässt es danach wieder.

Wo hat Interim Management seinen Ursprung?

Interim Management hat seinen Ursprung in den Niederlanden in den 1970er Jahren. Es wurde damit eine Flexibilisierung des Arbeitsmarktes eingeläutet, indem zum Beispiel lange Kündigungsfristen umgangen werden konnten. In den 1980er Jahren wurde das Modell in Grossbritannien übernommen, bevor es auch langsam in Deutschland Anklang fand. In der Schweiz gilt die Branche noch als sehr jung. 2006 wurde der Dachverband Schweizer Interim Manager (DSIM) als unabhängige Vereinigung für Interim Manager gegründet.

Wann wird ein Interim Manager eingesetzt?

Es gibt unterschiedliche Gründe für den Einsatz eines Interim Managers. Der grosse Vorteil von Interim Management für Unternehmen ist, dass sie fachspezifische Führungskräfte kurzfristig und für einen begrenzten Zeitraum einsetzen können. Interim Manager werden meistens in Zeiten des Umbruchs oder in Krisensituationen herangezogen. Eine Führungskraft auf Zeit macht zum Beispiel in folgenden Situationen Sinn:

  • kurzfristiger Ausfall einer Führungskraft
  • vorübergehende Vakanz einer Position
  • Aufbau eines neuen Geschäftsfeldes
  • Turn Around Management
  • Übernahme oder Verkauf eines Unternehmens
  • Steuerung komplexer Prozesse
  • Unterstützung in einem Bereich für einen bestimmten Zeitraum

Was sind die Anforderungen an einen Interim Manager?

An einen Interim Manager werden sehr hohe Anforderungen gestellt. Nicht zuletzt deshalb sind es in der Regel ältere Manager, die im Interim Management tätig sind. Zunehmend arbeiten auch jüngere Führungskräfte als Interim Manager. Sie verfügen zwar über weniger Erfahrung, sind dafür dementsprechend günstiger. Grundsätzlich wird zwischen Generalisten und Spezialisten unterschieden. Neben der fachlichen Kompetenz spielen Führungsqualitäten sowie eine stark ausgeprägte soziale Kompetenz eine sehr grosse Rolle. Ein Interim Manager muss in der Lage sein, sich sehr schnell in einem Unternehmen einzuarbeiten. Er muss die Lage eines Unternehmens in kürzester Zeit analysieren und in Folge rasch eine Lösung für eine ergebnisorientierte Umsetzung der an ihn gestellten Aufgabe finden. Damit die Mitarbeiter gemeinsam mit dem Interim Manager an einem Strang ziehen, bedarf es ein hohes Mass an sozialer Kompetenz.

Wie einen Interim Manager finden?

Ein Interim Manager kann über verschiedene Quellen gefunden werden. Zum einem ist die persönliche Empfehlung eine sehr beliebte Variante. Zum anderen vermitteln professionelle Provider, wie zum Beispiel Power Sales, passende Kandidaten aus ihrem Netzwerk.

Wie lange ist der Interim Manager im Einsatz?

Damit sinnvolle Ergebnisse erreicht werden können, sollte der Interim Manager zumindest sechs Monate im Unternehmen eingesetzt werden. Der Einsatz kann bis zu zwei Jahre dauern, beispielweise bei einem Turn Around. Nach dieser Zeitspanne sind auch bereits Ergebnisse sichtbar.

Was sind die Vorteile eines Interim Managers?

Die Vorteile eines Interim Managers sind sehr vielfältig. Als sehr vorteilhaft wird vor allem die Unabhängigkeit eines Interim Managers gegenüber dem Unternehmen angesehen. Er ist frei von interner Konkurrenz und Seilschaften. Da er von aussen kommt, bringt er eine andere Sicht auf die Dinge mit. Die zeitlich begrenzte Dauer ermöglicht es, die Kosten für das Interim Management vorab zu planen. Wobei es für einen Grossteil der Unternehmen nicht auf die Kosten ankommt, sondern vielmehr auf die effiziente Lösung der Aufgaben. Mit einem Interim Manager kann sich ein Unternehmen für einen bestimmten Zeitraum Expertenwissen einkaufen. Diese Option bietet sich besonders für Spezialthemen an, die für ein Unternehmen nicht von dauerhafter Relevanz sind. Ein Beispiel dazu ist die Einführung von SAP. Ein weiterer Vorteil ist natürlich die kurzfristige Verfügbarkeit von Interim Managern. Fällt beispielweise eine Führungskraft kurzfristig aus, kann ein Interim Manager sofort den Job übernehmen. So wird aus der Suche nach einer geeigneten fixen Nachfolge der Druck genommen. Im Gegensatz zu einem Fixangestellten hat ein Interim Manager keine Kündigungsfristen und er beansprucht weder Sozialleistungen noch Urlaubstage.

Wie unterscheidet sich ein Interim Manager von einem Berater?

Der Unterschied zwischen einem Interim Management und Unternehmensberatung ist schnell erklärt: Während der Interim Manager selbst zupackt, indem er seine Aufgaben in einem bestimmten Zeitraum ergebnisorientiert umsetzt, gibt ein Berater nur Empfehlungen ab. Der Interim Manager ist als Führungskraft ins Unternehmen integriert und dazu da ein Ergebnis zu verantworten. Hierzu kann er über Mitarbeiter verfügen. Ein Berater erarbeitet eine Strategie, die er aber nicht operativ umsetzt.

Was sind die Nachtteile von Interim Management?

Im Normalfall überwiegen die Vorteile von Interim Management gegenüber den Nachteilen. Als häufige Nachteile werden oft Einarbeitungszeit, Akzeptanzprobleme in der Belegschaft und Unkenntnis über interne (Macht-)Strukturen genannt. Ein professioneller Interim Manager verfügt aber über eine sehr schnelle Auffassungsgabe sowie eine sehr hohe soziale Kompetenz, sodass er die Belegschaft von seinem Vorhaben überzeugen kann und alle in ein Boot holt.

Welche Branchen setzen auf Interim Management?

Interim Management ist in der Zwischenzeit in den unterschiedlichsten Branchen gefragt. Zunächst waren Interim Manager vor allem in der Automobil-, Telekommunikation- und Medienbranche zu finden. Neben Konzernen setzt auch der Mittelstand verstärkt auf Interim Management.

Frauen im Interim Management

Interim Management war anfangs eine komplett männerdominierte Branche. Auch wenn seit einigen Jahren Frauen als Interim Managerinnen tätig sind, so sind weibliche Führungskräfte auf Zeit nach wie vor selten anzutreffen. Gerade in Unternehmen mit ausschliesslich bzw. vorwiegend männlichen Führungskräften kann eine weibliche Interim Managerin sehr bereichernd sein. Denn sehr oft haben Frauen andere Zugänge und Lösungsansätze als Männer. Weiters dienen sie anderen Mitarbeiterinnen als Vorbild und auch als Motivation selbst eine Führungsposition anzustreben.

Zukunftsmarkt Interim Management

Für 2020 rechnen Zukunftsforscher damit, dass bis zu 60 Prozent der Arbeitsverhältnisse in Deutschland auf freier und flexibler Basis sein werden. Als ein Grund dafür wird genannt, dass Fachwissen immer schneller überholt ist. Folglich setzen Unternehmen immer häufiger auf externes Wissen, indem sie Interim Manager einsetzen. Auch wenn es für die Schweiz noch keine gesicherten Daten zum Interim Management Markt gibt, so wird mit einem stetig steigenden Branchenumsatz gerechnet. Ein Blick nach Deutschland sorgt für positive Stimmung unter den Interim Managern. Laut Experten wird der deutsche Markt für Interim Management zwischen 10 und 30 Prozent pro Jahr wachsen. Dementsprechend gilt Interim Management auch in der Schweiz als Wachstumsmarkt.